Das neue Modul „Entrepreneurship for Social Impact“ führt Führungskräfte nach Sri Lanka
Der Kellogg-WHU Executive MBA ist auf Transformation ausgerichtet. Nichts bringt diesen Anspruch und das oft zitierte Ethos „große Wirkung, kleines Ego“ besser zum Ausdruck als das neue Praxismodul „Entrepreneurship for Social Impact“.
Doch was genau bedeutet „Social Impact“ im Bildungskontext? Und was, wenn es dabei nicht um kurzfristige Lösungen geht, die ein Problem für einige Zeit lindern, sondern um nachhaltige Veränderungen, die langfristig greifen? Im Rahmen des neuen Moduls reisen Teilnehmende des EMBA-Programms nach Sri Lanka und arbeiten dort mit lokalen Unternehmer:innen an konkreten unternehmerischen Herausforderungen. So entstehen nicht nur Perspektivenwechsel, sondern greifbare Lösungen: für echte Herausforderungen, echte Menschen und echte Ergebnisse.
Einen tieferen Sinn finden
Matthias Sönke-Witt weiß, was „Social Impact“ bedeutet. Der EMBA-Student arbeitet seit sieben Jahren für eine Hilfsorganisation und ist seit über einem Jahrzehnt in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Einen Großteil dieser Zeit hat er im Ausland verbracht, unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo (DRK), in den USA und seit 2022 in Sri Lanka. Jede dieser Stationen hat ihn geprägt, doch die Zeit in der DRK, die er mit Mitte 20 erlebte, war die intensivste. „In der DRK gibt es entweder sehr entwickelte oder sehr arme Regionen. Ich war in einer sehr armen, abgelegenen Region des Landes. Es gab keine Ablenkung und Smartphones kamen gerade erst auf. Man war komplett auf sich selbst gestellt. Es war ein Kulturschock im besten Sinne, denn es hat mich geerdet und mir bewusst gemacht, was es heißt, privilegiert zu sein.“
Als Matthias im Jahr 2020 mit einer schweren Erkrankung im Krankenhaus lag, nutzte er die Zeit, um EMBA-Programme zu recherchieren. Ihm war bewusst, dass er zusätzliche Werkzeuge und ein Netzwerk außerhalb der eigenen Blase brauchte, um wirklich etwas zu bewegen und sein Wissen gezielt einsetzen zu können, um anderen zu helfen. „Die Menschen können unglaublich kreativ und innovativ sein, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Aber manchmal geht dabei die soziale Komponente verloren. Natürlich gibt es großartige Sozialunternehmer:innen auf der Welt, aber im Vergleich zum Privatsektor sind sie nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“
Eine Idee nimmt Form an
Im Rahmen des Kellogg-WHU EMBA Curriculums besuchen die Studierenden mehrere Länder, darunter Indien. Dort setzen sie sich intensiv mit dem Konzept des „Servant Leadership“ und ihren eigenen Werten auseinander. „Am Ende ist es immer noch ein Leadership-Kurs, der den Fokus auf persönliche Entwicklung legt“, sagt Matthias. „Es kam der Wunsch auf, innerhalb des EMBA etwas zu entwickeln, das wirklich auf sozialen Wandel ausgerichtet ist.“ Das Programm trat mit der Bitte an Matthias heran, ein Konzept zu entwickeln, das auf seinen Erfahrungen aus dem Non-Profit-Bereich aufbaut.
Ziel des Moduls „Entrepreneurship for Social Impact“ ist es, Führungskräfte auf eine Weise an das Thema heranzuführen, die nichts mit Wohltätigkeit oder Spenden zu tun hat, sondern das Curriculum einer Business School mit unternehmerischem Denken passend ergänzt. Es geht darum, lokale Gemeinschaften dabei zu unterstützen, Lebensgrundlagen und Unternehmen aufzubauen. Ebenso geht es darum, zu verstehen, wie das unter schwierigeren Bedingungen als im globalen Norden funktionieren kann, wo Entscheidungen nicht nur einzelne Personen betreffen, sondern ganze Familien und die gesamte Gemeinschaft. „Unsere Vision für ein solches Modul ist, dass die Teilnehmenden zurückkehren und das Gelernte in ihre eigene Arbeit einfließen lassen, und dass sie nicht nur ein konkretes soziales Problem lösen, sondern dabei auch selbst etwas lernen“, ergänzt Matthias.
In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Pisitta Vongswasdi, Professorin für Leadership und Society an der WHU, wurde das Konzept in einen pädagogischen Rahmen eingebettet. „Das Kernprinzip des Moduls lautet ‚lerne mit, statt löse für‘“, erklärt die Professorin. „Die Teilnehmenden reisen nicht als externe Expert:innen nach Sri Lanka, die mit fertigen Antworten ankommen. Unser Ziel ist es, die unterschiedlichen Wissensformen zusammenzubringen: den Einfallsreichtum und die Erfahrungen der Unternehmer:innen und Gemeinschaften vor Ort, und das unternehmerische und fachliche Know-how der Studierenden.“
Mehr als eine Präsentation
Das Modul ist als wechselseitige Lernerfahrung konzipiert, daher betont Pisitta Vongswasdi, dass die Teilnehmenden neue Perspektiven erlangen sollen: um erfolgreich zu sein, braucht es mehr als schnelle Lösungen. „Sie benötigen Neugier und Gesprächsführungskompetenz. Sie müssen mit Ambiguität und kultureller Sensibilität umgehen können und in der Lage sein, Ansätze aus verschiedenen Managementdisziplinen zusammenzuführen. Vor allem aber müssen sie bereit sein zu hinterfragen, ob die Annahmen und Instrumente, die ihnen in ihrem eigenen Unternehmenskontext nutzen, in einem völlig anderen Kontext ebenso relevant sind.“
Entscheidend ist, dass am Ende ein greifbares Ergebnis steht. Die Teilnehmenden kommen nicht nur kurz in eine Gemeinschaft und verschwinden dann wieder, sondern bauen dauerhafte Beziehungen zu den Menschen und deren Arbeit vor Ort auf. „Unser Ziel ist nicht, eine beeindruckende Präsentation für die Unternehmer:innen zu erstellen“, so die Professorin. „Es geht darum, realistische Empfehlungen zu entwickeln, die im jeweiligen Kontext verankert und für die Unternehmer:innen und ihre Communities wirklich von Nutzen sind. Es geht nicht darum, ein anderes Land zu erleben, sondern die Erfahrung als Spiegel zu nutzen, durch den die Teilnehmenden ihre eigenen Annahmen über Führung, Wirtschaft und Verantwortung erkennen und hinterfragen.“
„Ich weiß aus meiner eigenen Arbeit, dass persönliche Erfahrungen wie diese mehr wert sein können als ganze Semester mit theoretischen Vorlesungen, in denen man nur über die Dinge spricht“, fügt Matthias hinzu. „Es können transformative Erfahrungen entstehen, wenn man die Brillanz von Menschen erlebt, die Hindernisse überwinden, die viele von uns für unüberwindbar halten, und das dann mit akademischen Kontexten und Konzepten verknüpft. Dann bleibt mehr als eine Erinnerung oder ein Foto. Es kann eine lebenslange Verbindung beider Seiten entstehen.“
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