Kellogg-WHU Executive MBA
Von der Unternehmenskrise zum Millionen-Start-up
12.10.2026

Von der Unternehmenskrise zum Millionen-Start-up

Der EMBA verändert dein Mindset. Der Mut zum Unternehmertum kann deinen Lebensweg verändern

„An jenem Tag verließ ich die Bosch Siemens Home Appliances Group (BSH) in Istanbul um 13 Uhr. Um 14 Uhr verkaufte ich mein Auto. Dann ging ich nach Hause, um mich von meiner Familie zu verabschieden. Noch am selben Abend landete ich in Deutschland, wo ich in einem Hotel übernachtete. Am nächsten Morgen begann ich meinen neuen Job bei DHL. Allein in einem fremden Land, in einer fremden Sprache. Innerhalb eines einzigen Tages hatte sich alles verändert.“

Ali Ozyigit ist im Verlauf seiner Karriere immer wieder kalkulierte Risiken eingegangen. Aufgewachsen in der Türkei, arbeitete sich der gelernte Maschinenbauingenieur bei der BSH in Istanbul schnell die Karriereleiter nach oben, bis er eines Tages den Anruf eines Headhunters aus Deutschland erhielt.

Beim Logistikkonzern DHL in Bonn sollte sich Alis Leben grundlegend verändern. Er absolvierte das Kellogg-WHU Executive MBA Programm, um über den ingenieurwissenschaftlichen Tellerrand hinauszublicken und den Schritt in die Führungsebene zu machen. „Nach dem EMBA-Studium wechselte ich innerhalb von zwei bis drei Jahren ungefähr dreimal die Position. Das hat meine Karriere enorm beschleunigt. Letztlich wurde ich Unternehmer, weil ich erkannt hatte, dass ich dazu in der Lage bin“, erklärt er.

„Lange hielt ich eine Karriere als Unternehmer für zu riskant. Durch den EMBA wurde mir jedoch klar, dass Unternehmertum über die Gründung eines Unternehmens hinausgeht. Es geht darum, das richtige Mindset zu entwickeln, Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Das Programm war die beste Investition in mich selbst, die ich je gemacht habe, denn es hat meine Denkweise verändert. Als Führungskräfte arbeiten wir meist in einem sehr homogenen Umfeld innerhalb eines Unternehmens. Das Programm zeigt, was darüber hinaus möglich ist, indem es ein breites Spektrum an Perspektiven vermittelt.“

Ali war noch im Programm, als er wegen eines dringenden Umsatzproblems von einem Auslandseinsatz in Singapur zurückgerufen wurde. Private Postdienstleister erhalten für jeden zugestellten Brief bis zu 44 Prozent des Portos. Je mehr Briefe zugestellt werden, desto höher die Vergütung. Betrüger hatten der Deutschen Post die Zustellung mehrerer Hundert Millionen Briefe in Rechnung gestellt, die es nie gegeben hatte.

Um den Schaden zu beziffern, musste ermittelt werden, wie viele Briefe welcher Art im zentralen Verteilzentrum tatsächlich angekommen waren. Jeder einzelne Brief musste erfasst und mit einer eindeutigen Kennung versehen werden. 105 verschiedene Portoarten machten die Aufgabe scheinbar unlösbar. Ali fand eine Lösung.

Er fand heraus, dass jeder Umschlag und jedes Blatt Papier einzigartige Oberflächenmerkmale besitzt. Wie ein Fingerabdruck ermöglichen diese Merkmale die Identifizierung einer einzelnen Postsendung, ohne ein Etikett aufkleben oder einen Code aufdrucken zu müssen. Die Technologie analysiert mithilfe von KI-gestützten Computer-Vision-Algorithmen die Oberfläche eines Gegenstands und erkennt seinen einzigartigen Fingerabdruck.

„Ich habe die Technologie weltweit patentieren lassen“, sagt Ali. „Wir haben sie zunächst in Bonn eingesetzt, um gefälschte Briefmarken zu identifizieren. Dann stellten wir fest, dass sie nicht nur für Briefe, sondern auch für Pakete funktioniert. Selbst ein Amazon-Karton hat seinen eigenen Fingerabdruck. Man kann den Karton verschließen, mit dem Smartphone fotografieren und einem Postmitarbeitenden übergeben, ohne ein Etikett anzubringen. Dieser kann das Paket dann identifizieren, indem er den Oberflächenfingerabdruck mit dem Foto abgleicht.“

Zu dieser Zeit war Ali Senior Director bei DHL. Er verantwortete den Bereich Automation Innovation in 28 Ländern und berichtete direkt an den Vorstand. Beim internen Venture-Wettbewerb von DHL setzte sich seine Idee gegen mehr als 1.000 Einreichungen durch. Dieser Erfolg wurde zum Sprungbrett für die Gründung seines Unternehmens, PixoAnalytics. DHL war dabei nicht nur sein ehemaliger Arbeitgeber, sondern wurde auch Kunde und Investor. Seine Führungsposition im Konzern nach dem EMBA aufzugeben und ein eigenes Unternehmen zu gründen, war ein Risiko. Vor allem aber war es die richtige Entscheidung.

„Ich erinnere mich an einen EMBA-Professor, der sagte: ‚Ab dem heutigen Tag haben Sie wahrscheinlich noch etwa 20 Jahre im Berufsleben vor sich. In welchem Unternehmen oder in welcher Position Sie auch sind, Sie werden dort vermutlich bleiben. Aber verbringen Sie keinen einzigen Tag länger dort, wenn Sie nicht glauben, Ihre Arbeit genießen zu können. Ihre Zeit ist wertvoll. Probieren Sie einen neuen Weg aus, dann einen weiteren und noch einen, bis Sie den richtigen für sich gefunden haben.' Das hat mich wirklich berührt.“

Ursprünglich wollte Ali sein Wissen erweitern, internationale Erfahrungen sammeln und Kontakte zu anderen Branchen und Menschen aus anderen Lebensbereichen knüpfen. Heute führt er einen Großteil seines unternehmerischen Erfolgs auf seine Zeit im Kellogg-WHU EMBA zurück.

„Alle Teilnehmenden sind erfahren und kommunizieren offen. Sie wollen voneinander lernen und netzwerken, deshalb ist es enorm hilfreich, wenn du diese Motivation teilst. Auch die Professoren haben mich überrascht. Viele von ihnen sind Vorstandsmitglieder oder beraten Fortune-100-Unternehmen. Wir haben gelernt, wie sich Theorie in der Praxis anwenden lässt. Was mich am meisten beeindruckt hat, waren die unternehmerischen Einblicke. In all meinen früheren Positionen hatte ich gedacht, dass ich dort bis zur Rente bleiben würde, aber das hat sich geändert.“

PixoAnalytics hat inzwischen Kunden aus ganz Europa. Als Nächstes will Ali die Technologie auf Flughäfen ausweiten und neue Märkte in Amerika und im asiatisch-pazifischen Raum erschließen. „Unsere Technologie kann auch verlorenes Gepäck identifizieren. Wir setzen sie bereits bei Iberia und Pegasus Airlines ein und arbeiten gerade an weiteren Partnerschaften.“ Abseits der Luftfahrtbranche ermöglicht PixoAnalytics die etikettenfreie Produktverfolgung entlang der gesamten Lieferkette, etwa in der Holzwerkstoff-, der Sprengstoff- und der Fertigungsindustrie.

Was einst als das größte Wagnis aller Zeiten erschien, nämlich eine hart erarbeitete Führungsposition in einem Konzern aufzugeben, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, erwies sich für Ali als die beste Entscheidung seines Lebens. PixoAnalytics, von Investoren inzwischen mit mehreren Millionen Euro bewertet, zeigt, dass in dem Sprichwort „Ohne Risiko kein Gewinn“ durchaus Wahrheit steckt.

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