Finanzierungsrunden, Exits, Übernahmen und Börsengänge von WHU-Start-ups im 1. Quartal 2026
Lehrkräfte, Richter, Polizeibeamte und einige Berufsgruppen mehr, die beim Staat angestellt sind, können im US-Bundesstaat Michigan mit einem guten Gefühl in Rente gehen - und das nicht wegen eines neuen innovativen Betreuungsangebots für Seniorinnen und Senioren, sondern dank deutscher Start-ups. Denn der Pensionsfonds von Michigan, der Pensions- und Gesundheitsleistungen an aktive und ehemalige Beschäftigte im Staatsdienst auszahlt, hat weitsichtig investiert. Bei dem Fonds, der über 100 Milliarden US-Dollar verwaltet, hat man erkannt, dass es sich lohnt, auf europäische Venture-Capital-Fonds zu setzen und dass sich so für seine Pensionäre eine stattliche Rendite erzielen lässt.
Die Studie „Untapped Potential: German Pension Funds Missing Out on European Startup Success” der Berliner Venture-Capital-Gesellschaft Redstone belegt das mit Zahlen. Demnach haben die kombinierten Unternehmenswerte europäischer Start-ups und Scale-ups zwischen 2012 und 2022 um etwa 2,5 Billionen Euro zugelegt. Das bescherte den Investor:innen in diesem Zeitraum nicht nur eine höhere Rendite als andere Anlageklassen wie Anleihen oder Immobilien. Die Beimischung von VC-Investitionen trug bei der Portfolio-Diversifikation auch zu einer deutlich geringeren Volatilität des gesamten Portfolios bei, wie die Studie zeigt. „Die Möglichkeit, bei Investments in Deutschland eine attraktive Rendite – auch bei Altersvorsorgeoptionen – zu erzielen, hängt wesentlich davon ab, wie gut die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft von morgen ist“, erklärt Maximilian Eckel, Managing Director des WHU Entrepreneurship Centers. Amerikanische Rentenkassen haben dies schon vor einiger Zeit erkannt und finanzieren indirekt über ihre Beteiligung an Venture-Capital-Fonds bereits zehn Prozent des Kapitals deutscher Start-ups.
Ein Start-up, das eben davon profitiert, ist Gropyus und dessen Gründer-Team um WHU-Alumnus Philipp Erler (D 2006). Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen mit Sitz in Richen bei Heilbronn in einer neuen Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro eingesammelt.
Gropyus produziert in einer vollautomatisierten Produktionsanlage mithilfe von 50 Robotern Wand- und Deckenelemente für Häuser. Auf der Baustelle werden die fertigen Bestandteile aus hybrider Holzbauweise dann zusammengesetzt. Das reduziert sowohl die Kosten für Neubauten als auch die Bauzeit drastisch und wirkt damit dem Wohnungsmangel entgegen. Gleichzeitig arbeitet das Start-up nachhaltig und ressourcenschonend durch eine CO2-bindende und kreislauffähige Produktion mit deutlich geringerem Materialverschnitt als bei herkömmlicher Bauweise. An der Wertsteigerung des Unternehmens, das seine Produktionskapazitäten stetig ausbaut, partizipiert künftig auch der Pensionsfonds des US-Bundesstaats Michigan, der als neuer Investor an der 100-Millionen-Finanzierungsrunde beteiligt war.
Deutsche Renten- und Pensionskassen hingegen scheinen stärker die Risiken als die Chancen eines solchen Investments im Blick zu haben. Ihre finanzielle Beteiligung an deutschen VCs macht weniger als ein Prozent aus, wie die Redstone-Studie zeigt. Bei deutschen Start-ups mit Unicorn-Bewertung sind sie sogar nur mit 0,2 Prozent indirekt über die VCs investiert. „Natürlich sollten Investitionen in Start-ups sehr gezielt und bedacht getätigt werden – aber bei einem vollständigen Verzicht verzichtet man eben auch auf Renditechancen. Die geringe Beteiligung deutscher Pensions- und Rentenkassen ist vor allem strukturell bedingt. Mit klaren Regeln, professionellen Investment-Vehikeln und langfristiger Steuerung ließe sich ein angemessener Anteil an Wagniskapital verantwortungsvoll etablieren“, sagt Maximilian Eckel.
Welche Investitionen in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 in WHU-Start-ups geflossen sind, sehen Sie in der folgenden Übersicht:
Januar
- Mit einer Übernahme ist Langfuse in das neue Jahr gestartet. Das Berliner Start-up, mitgegründet von Marc Klingen (BSc 2017), entwickelt Analysewerkzeuge für Anwendungen im Bereich künstliche Intelligenz und wurde nun von ClickHouse aufgekauft.
- Bei einer Frühphasen-Finanzierungsrunde sicherte sich HellGrün Energie eine Million Euro. Gründer Roman Steigertahl (MLB 2014) treibt von Köln aus nachhaltige Stromlösungen für Haushalte und kleinere Betriebe voran.
- Zehn Millionen Euro aus einer Serie-A-Finanzierungsrunde sind an Sinpex geflossen. Das von Jan Spörer (BSc 2017) mitgegründete Münchner Unternehmen automatisiert Zoll- und Handelsprozesse für international tätige Firmen.
- Für mehr als 259 Millionen Euro wechselte Kaia Health den Eigentümer. Moritz Philipp Weisbrodt (MSc 2016) und Gabriel Thomalla (BSc 2014) hatten das Berliner Unternehmen aufgebaut, das digitale Therapien für chronische Erkrankungen anbietet.
- Datenschutz und Regelkonformität stehen im Mittelpunkt des Geschäftsmodells von heyData. Das Berliner Start-up um Miloš Djurdjević (BSc 2014) und Daniel Deutsch (MSc 2017) erhielt 15 Millionen Euro in einer Serie-A-Finanzierungsrunde für den Ausbau seines Geschäftsmodells.
- Vimag Labs erhielt fünf Millionen Euro in einer Wagniskapital-Runde. Das in Bangalore ansässige Deep-Tech-Unternehmen wurde von Manish Seth (EMBA 2020) gegründet. Das Start-up bringt Maschinen bei, visuelle Informationen zu „verstehen“ – etwa um Fehler in der Produktion zu erkennen, Prozesse zu überwachen oder komplexe industrielle Abläufe präziser zu steuern.
Februar
- Mit einer Serie-A-Finanzierungsrunde über 17,5 Millionen Euro treibt Blockbrain, mitgegründet von WHU-Alumnus Honza Ngo (BSc 2020, MSc 2022), die Entwicklung einer Plattform voran, die Risiken im Kryptomarkt analysiert und Portfolios automatisiert optimiert. Das Start-up ist spezialisiert auf Echtzeitdaten und den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Absicherung digitaler Vermögenswerte.
- Im MedTech-Bereich positioniert sich Flinn unter Beteiligung von Hasib Samad (PTMBA 2020) nach einer frühen Wagniskapital-Finanzierungsrunde über 16,8 Millionen Euro als Anbieter einer KI-gestützten Software, die regulatorische Prozesse für Medizinprodukte effizient automatisiert.
- Auf alternative Gesundheitsansätze setzt Circle Health, an dem Jannik Tiedemann (BSc 2015) mitwirkt. Im Rahmen einer Seed-Finanzierungsrunde hat das Unternehmen Kapital eingesammelt. Es bietet unter anderem personalisierte Ozontherapien zur Verbesserung von Durchblutung und Herz-Kreislauf-Funktion an.
- Zenyum vertreibt als Dentalunternehmen direkt an Endkunden unsichtbare Zahnspangen und weitere Produkte rund um moderne Zahnpflege. Das Start-up wurde nun vom indischen Unternehmen MakeO übernommen. Mitgründer von Zenyum ist Frederik Krass (BSc 2013).
- Eine frühe Venture-Finanzierungsrunde über 1,8 Millionen Euro unterstützt Apartool, das Marc Cardellach (BSc 2014) mitgegründet hat, beim Ausbau seiner Plattform für zeitweises Wohnen von Geschäftsreisenden. Das Geschäftsmodell bündelt weltweit möblierte Apartments und vereinfacht Buchung und Abrechnung für Unternehmen.
- Mit einer Seed-Finanzierungsrunde über knapp 13,2 Millionen Euro baut Plato seine KI-basierte Vertriebssoftware weiter aus. Die von Matthias Heinrich Morales (BSc 2019) mitgegründete Wachstumsplattform hilft Großhändlern, Umsatzpotenziale zu identifizieren und Kundenabwanderung frühzeitig zu erkennen.
- Im Bereich Impact Finance sorgt die Übernahme von FASE, an dem WHU-Absolvent Markus Freiburg (Promotion 2011) beteiligt ist, durch Chi Impact Capital für Bewegung. Das Start-up begleitet Sozialunternehmen bei Kapitalaufnahmen und verbindet Investoren mit nachhaltigen Geschäftsmodellen in ganz Europa.
März
- Upvest sichert sich in einer Finanzierungsrunde rund 90 Millionen Euro. Das Berliner Unternehmen, gegründet unter anderem von Tobias Auferoth (D 2007), bietet Infrastruktur für digitale Wertpapierangebote und richtet sich vor allem an Finanzdienstleister.
- 100 Millionen Euro aus einer späten Finanzierungsrunde fließen an das Start-up Gropyus. Das Unternehmen um WHU-Alumnus Philipp Erler (D 2006) steht für nachhaltigen Wohnungsbau, bei dem Planung und Produktion enger verzahnt sind. Eine Roboter-Fabrik produziert fertige Häuserteile und macht Bauen so günstiger.
- Das von Sebastian Waters (MSc 2012) mitgegründete Start-up InCirT entwickelt spezialisierte Halbleiterlösungen für Hochfrequenzanwendungen. Das Aachener Unternehmen erhält 4,8 Millionen Euro in einer frühen Finanzierungsrunde.
- Lebensmittellieferdienst Flink bekommt mehr als 90 Millionen Euro aus einer Wachstumsfinanzierung. Gegründet unter anderem von Julian Dames (MSc 2013) und Christoph Cordes (D 2003), zeichnet sich das Unternehmen bei seinen Lieferungen durch besonders schnelle Zustellzeiten aus.
- finperks entwickelt eine Plattform, mit der Banken und Finanzdienstleister ihren Kunden Vorteile anbieten können. Dazu zählen etwa Rabatte, Gutscheine oder exklusive Angebote, die direkt in Banking-Apps integriert werden. In einer Seed-Finanzierungsrunde hat das von Achim Bönsch, Sebastian Seifert (beide BSc 2011) und Andreas Veller (MSc 2013) gegründete Start-up 3,4 Millionen Euro eingesammelt.
