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19.01.2026

Start-ups Investment Report

Finanzierungsrunden, Exits, Übernahmen und Börsengänge von WHU-Start-ups im 4. Quartal 2025

Kamele gelten als genügsam, zäh und können lange Dürreperioden überstehen – Eigenschaften, die auch von vielen Start-ups verlangt werden. Kein Wunder also, dass das Wüstentier gerade in der Szene so angesagt ist. Besonders Start-ups, die ohne Fremdfinanzierung – also mit „bootstrapping“ – langsam, aber konstant wachsen, werden als Kamele bezeichnet. 

„Der Trend geht ganz klar hin zu mehr Bootstrapping“, erklärt Maximilian Eckel, Managing Director des WHU Entrepreneurship Centers. „Die Zeiten haben sich geändert: Immer mehr Start-ups entscheiden sich dafür, stetig und solide zu wachsen, statt auf extern finanzierte Skalierung zu setzen. Dieser Trend ist beispielsweise auch in den USA zu beobachten. Viele Geschäftsmodelle von Start-ups benötigen in der Anfangsphase nicht mehr so viel Geld und lassen sich zunächst selbst stemmen. Die Gründenden sprechen lieber später mit einer ausreichenden Validierung ihres Geschäftsmodells und aus einer Position der Stärke heraus mit Investoren.“ Zwar können Wagniskapitalfirmen in kurzer Zeit erhebliche Mittel in ein Start-up lenken, um dessen Entwicklung exponentiell zu beschleunigen. Manche Investor:innen verlieren aber das Interesse, wenn absehbar wird, dass das Investment kein Einhorn wird, denn an durchschnittlichem Wachstum sind sie nicht interessiert. „Das schreckt einige Gründende ab, die lieber langsam profitabel wachsen wollen. Und so steht das Kamel gerade bei vielen im Fokus und hat das Einhorn etwas in den Hintergrund gedrängt. Viele Gründende haben in der Vergangenheit gar nicht über Bootstrapping nachgedacht, weil der Zugang zu Wagniskapital sehr einfach war und dessen Nutzung die vorgelebte Blaupause anderer erfolgreicher Gründender war.“ 

Beim Aufbau des Start-ups auf Fremdkapital zu verzichten, ist kein vollkommen neues Phänomen – aber im Jahr 2025 gingen deutlich mehr Gründende diesen Weg. Der 2025 Founder Salary Report des Finanzdienstleisters Pilot zeigt, dass Bootstrapping im Vergleich zu 2024 bei Start-ups um 57 Prozent zugenommen hat und von 11,5 auf 18 Prozent aller Gründungen gestiegen ist. Diese Verschiebung gehört zu den bedeutendsten Veränderungen in der Finanzierungsstrategie junger Unternehmen in den vergangenen Jahren. Sie spiegelt eine tiefgreifende Veränderung darin wider, wie Gründende im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld den Aufbau ihres Unternehmens angehen. Mehr und mehr Start-up-Gründende wollen die volle Kontrolle über ihr Unternehmen behalten und greifen auf Investitionen von Freunden und Familie, eigene finanzielle Mittel und frühe Unternehmensgewinne zurück, um sie sofort wieder in das Start-up zu investieren. „deutsche startups“ kommt zu dem Ergebnis, dass die Startup-Investitionen in Deutschland auf ein Fünfjahrestief gefallen sind. Doch wie anfangs beschrieben, bedeutet das nicht, dass die Gründerszene einschläft – sie arbeitet nur stärker im Verborgenen. 

Dazu kommt, dass bootstrapping sich nicht für jedes junge Unternehmen eignet. Entscheidend sind Geschäftsmodell, Branche und Ressourcenbedarf. Vor allem Gründerteams mit niedrigen Startkosten und frühen Einnahmemöglichkeiten können von diesem Ansatz profitieren, weil sie zu Beginn keine hohen Kosten schultern müssen. Benötigt das Unternehmen jedoch von Beginn an umfangreiche finanzielle Mittel, um das Geschäftsmodell aufziehen zu können, müssen die Gründenden tendenziell eher auf Fremdkapital zurückgreifen. 

Welche Investitionen im 4. Quartal 2025 in das Start-up-Ökosystem der WHU geflossen sind, sehen Sie in der folgenden Übersicht:

Oktober

- Mit seiner B2B-Fintech-Lösung verbessert Kuunda den Zugang zu kurzfristiger Liquidität für Händler in afrikanischen Märkten. Das in Mauritius beheimatete Unternehmen adressiert damit das Problem unzureichender Finanzierung für viele lokale Unternehmen und hat dafür eine Seed-Finanzierung in Höhe von 7,5 Millionen Euro erhalten. Zu den Mitgründern zählt WHU-Alumnus Samuel Brawerman (MSc 2007).

- Eine der größten Finanzierungsrunden des Monats kommt aus dem Energiesektor: Enpal erhält eine Fremdfinanzierung in Höhe von 700 Millionen Euro, um sein Solarmiet- und Energiedienstleistungsmodell weiter zu skalieren. Hinter der Entwicklung des Unternehmens stehen die WHU-Absolventen Mario Kohle (BSc 2008), Viktor Wingert (MSc 2010) und Jochen Ziervogel (MSc 2015).

- Für Ferienwohnungen bringt Arbio eine datengetriebene Technologieplattform voran, die Abläufe und Gästeerlebnisse optimiert. Mit mehr als 36 Millionen US-Dollar aus einer Serie-A-Finanzierungsrunde soll die Produktentwicklung weiter vorangetrieben werden. Verantwortlich für die Gründung ist WHU-Alumnus Constantin Schröder (BSc 2020).

- Vaestro treibt den Ausbau von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern voran und übernimmt einen Teil der Investitionskosten. Ein strategisches Investment in unveröffentlichter Höhe ermöglicht dem Team, Funktionen schneller auszurollen und erste Skalierungsschritte einzuleiten. Das Start-up wurde von WHU-Absolvent Henri Voigt (BSc 2018) ins Leben gerufen.

- Onuava bietet digitale Lösungen für Unternehmen an, um die Mitarbeitenden bei Themen reproduktiver oder geschlechterspezifischer Gesundheit zu beraten und dadurch langfristig Bindung, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit zu stärken. Durch ein Angel Investment soll die Produktvalidierung verbessert und das digitale Angebot weiter ausgebaut werden. Mitbegründet wurde Onuava von WHU-Alumna Dr. Julia Reichert (Diplom 2004). Zum Interview „Fünf Fragen an Onuava“.

November

- Mit einer Seed-Finanzierungsrunde über 13 Millionen US-Dollar will WHU-Alumnus Konstantin von Büren mit seinem Londoner Start-up Procure AI Beschaffungsprozesse neu definieren. Die KI-Plattform automatisiert Ausgabenanalysen, liefert präzise Voraussagen und entlastet Unternehmen bei komplexen Einkaufsentscheidungen. 

- Das Berliner Health-Tech-Start-up Mirantus Health sicherte sich eine Seed-Finanzierungsrunde über 5,5 Millionen Euro. Mitbegründet von WHU-Alumnus Dominik Pederzani (BSc 2013), entwickelt das Unternehmen eine digitale Infrastruktur, die Patientinnen und Patienten nahtlos mit Gesundheitsexpertinnen und -experten verbindet. Ziel ist eine moderne, skalierbare medizinische Versorgung, die Diagnostik- und Therapiepfade spürbar vereinfacht.

- Das Team von Kyrokarbeitet an einer KI-Software, die medizinische Daten effizient verknüpft und Behandlungsprozesse intelligent unterstützen soll. Die Lösung richtet sich an Vertriebsinnendienstler, die datenbasierte Diagnostik in den klinischen Alltag integrieren möchten. Gegründet wurde das Unternehmen von Lukas Bierfreund und Daniel Hofinger (beide MSc 2022) und hat nun eine Finanzierung in nicht bekannt gegebener Höhe erhalten. 

- WHU-Alumna Selket Caroline Euling entwickelt mit ihrem Team von Swiss Activities eine schweizweite Plattform für Freizeit-, Sport- und Tourismuserlebnisse. Ihr Angebot vereinfacht Buchungsprozesse und schafft Sichtbarkeit für lokale Anbieter. Das Start-up hat eine frühe Wagniskapitalrunde abgeschlossen.

Dezember

- FORMEL SKIN wurde im Dezember 2025 von der britischen Healthtech-Plattform MANUAL übernommen. Die ursprünglich von WHU-Absolvent Anton Kononov (MSc 2014) mitgegründete Firma ist auf dermatologische Behandlungen und Hautkrankheiten spezialisiert und kombiniert ärztliche Beratung mit digitalen Abläufen. 

- Das in München ansässige Unternehmen Crafthunt ist in der neuen Plattform BauGPT aufgegangen. Das Start-up hat sich als digitale Lösung für die Vermittlung von Fachkräften in Bauwirtschaft und Immobiliensektor etabliert und unterstützt Unternehmen bei der passgenauen Rekrutierung von Personal. Mitgründerin ist Anna Hocker (BSc 2013).

- CRAVIES hat sich in einer frühen Venture-Capital-Finanzierungsrunde frisches Kapital gesichert. Das Team um Mitgründer Siddik Turhalli (MSc 2019) entwickelt und produziert hochwertige Snacks und positioniert diese im Premiumsegment für Ernährung. 

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