Kellogg-WHU Executive MBA | Logo
16.01.2026

5 Fragen an BioThrust

„Wir wollen, dass Zelltherapien für Millionen Menschen zugänglich werden“

Millionen Menschen leben mit bislang unheilbaren Krankheiten wie Diabetes Typ 1 oder Morbus Parkinson. Ihnen geben neuartige Zelltherapien, die weltweit entwickelt werden, Hoffnung. Das Aachener Start-up BioThrust hat einen Bioreaktor entwickelt, mit dem diese Therapieformen deutlich günstiger hergestellt werden könnten. Im Interview erklärt Mitgründer und WHU-Absolvent Konstantin Kurz (BSc 2016/MSc 2018), wie BioThrust das schaffen will – und wie er als Wirtschaftswissenschaftler seinen Einstieg in den biotechnologischen Deep-Tech-Bereich gefunden hat. 

Lieber Konstantin, für alle, die keinerlei Bezug zu Biotechnologie haben: Was genau macht BioThrust?

BioThrust entwickelt neuartige Bioreaktoren – also Anlagen, in denen Zellen kultiviert werden, um Arzneimittel oder Impfstoffe herzustellen. Die große Innovation unseres Unternehmens liegt in der Art der Begasung, die in diesen Reaktoren stattfindet. Ganz einfach erklärt: Zellen brauchen Sauerstoff und produzieren CO₂ – ähnlich wie wir Menschen. Klassischerweise wird Sauerstoff über Gasblasen in die Reaktoren eingebracht, was generell zwei Probleme verursacht: Erstens, die Zellen werden dabei mechanisch belastet und zweitens, es entsteht Schaum, der Platz und damit Produktionskapazität einnimmt. BioThrust hat weltweit die erste blasenfreie Begasung entwickelt, die trotzdem ausreichend Sauerstoff in den Reaktor bringt. Mit diesem Verfahren können Zellen viel schonender und effizienter kultiviert werden – ein echter Game Changer, insbesondere für die Produktion empfindlicher Stamm- und Immunzellen.

Warum ist diese Technologie so zukunftsweisend?

Aus biotechnologischer Sicht befinden wir uns aktuell am Anfang einer neuen Ära der Zelltherapien. Viele Erkrankungen, die bislang als unheilbar gelten – wie zum Beispiel Diabetes Typ 1, Morbus Parkinson oder auch bestimmte Krebsarten, könnten künftig mithilfe gezüchteter Zellen behandelt oder sogar geheilt werden. Dafür braucht man allerdings in der Regel enorme Mengen an qualitativ hochwertigen Zellen. Unsere Technologie ermöglicht es, diese Zellen schonender, effizienter und damit wesentlich kostengünstiger als bisher herzustellen. Und genau das ist entscheidend für den Erfolg auf dem Markt, denn heutige Zelltherapien sind extrem teuer und deshalb bisher nur sehr wenigen Patientinnen und Patienten zugänglich. Manche Immuntherapien kosten aktuell Hunderttausende Euro pro Dosis.

Wie seid ihr auf die Idee zur Entwicklung dieses Verfahrens gekommen? 

Meine heutigen Mitgründer haben an der RWTH Aachen in der chemischen Verfahrenstechnik geforscht und dabei die Technologie zur blasenfreien Bioreaktorbegasung entwickelt. Über ein Co-Founder-Matching während der COVID-19-Pandemie haben wir uns kennengelernt und gleich festgestellt, dass wir gut zusammenpassen. Ich wollte ein Unternehmen mit echtem Impact aufbauen und nicht einfach das nächste Lieferdienst-Startup. Gemeinsam haben wir dann eine EXIST-Forschungstransfer-Förderung beantragt – ich war für den kaufmännischen Part verantwortlich, meine Mitgründer für den technischen Teil. Wir hatten Erfolg, und nach der Bewilligung ging alles ganz schnell: 2022 startete das Projekt, im selben Jahr gründeten wir, 2024 kam die Seed-Finanzierung. Heute sind wir etwa 30 Mitarbeitende.

Du hast an der WHU studiert. Wie hast du dich in den komplexen Themenbereich der Biotechnologie eingearbeitet?

Das war schon herausfordernd. Ich habe an der WHU meinen Bachelor und Master absolviert und wusste schon früh, dass ich etwas Unternehmerisches machen möchte. Nach meinem Abschluss habe ich einige Zeit in der Beratung bei Oliver Wyman gearbeitet und im Anschluss an der TU Darmstadt im Bereich Entrepreneurship promoviert, um näher an technologiegetriebene Gründungsthemen heranzukommen. Zwar hatte ich mal ein Praktikum bei Merck gemacht, aber insgesamt war die Einarbeitung in die Biotechnologie und insbesondere Bioverfahrenstechnik für mich „Learning by Doing“. Im Prinzip habe ich drei Jahre lang Verfahrenstechnik und Medizin parallel studiert. Ich habe sehr viel gelesen, viele Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geführt und zahlreiche Messen und Konferenzen besucht. Mittlerweile fühle ich mich in den meisten Bereichen sehr sicher, aber es war ein harter Weg. Letztlich ist unternehmerisches Know-how für technologiebasierte Unternehmen wie uns aber auch extrem wichtig. Wir drei Gründer ergänzen uns deswegen so gut.

Welche Vision hast du für die Zukunft von BioThrust?

In den kommenden Jahren wollen wir unsere Bioreaktoren in die breite klinische und industrielle Anwendung bringen. Wir entwickeln und produzieren unsere Bioreaktoren komplett selbst in Aachen. Schon in einigen Jahren könnten Zelltherapien auf dem Markt sein, die mit den BioThrust Bioreaktoren hergestellt wurden und die dank dieser effizienten Herstellprozesse klinisch breit angewendet werden können. Vielleicht wird dann eine Therapie gegen Diabetes Typ 1 zum Standard – hergestellt in unseren Systemen. Perspektivisch wollen wir außerdem skalieren und deutlich größere Reaktoren anbieten. Aktuell bauen wir eine komplette Technologieplattform auf, inklusive eigener Fertigung, eigenen Bioprozessprotokollen und einem S1-Labor für Tests mit Stamm- und Immunzellen.

Unsere Vision ist, dass Zelltherapien für Millionen Menschen zugänglich werden – nicht nur für diejenigen, die sich extrem teure Behandlungen leisten können. 

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg. 

Weitere 5-Fragen-an-Interviews finden Sie hier.

Kellogg-WHU Executive MBA | Logo