Kellogg-WHU Executive MBA Programm

Frauen im Executive MBA: Archita Fritz

Archita über ihre Gründe für das EMBA-Studium, ihre internationale Karriere und darüber, wie sie Familie und Studium unter einen Hut bringt.

Archita Fritz hat das Executive MBA Program an der Kellogg-WHU im Oktober 2018 abgeschlossen. Während des Studiums war sie schwanger und brachte ihr zweites Kind zur Welt. Anfang des Jahres haben wir mit Archita über ihre Gründe für das Studium, ihre internationale Karriere, die Vereinbarkeit von Familie und Studium und die Vorteile eines höheren Frauenanteils in EMBA-Programmen gesprochen.

„Eine Geschichte erzählen, andere Menschen weiterbilden, zusammenbringen und mit Kompetenzen auszustatten — das liebe ich.“

Seit 15 Jahren arbeite ich bei Stryker, einem Unternehmen, das medizinische Gerätschaften herstellt. Ein paar Jahre nach meinem Hochschulabschluss, mit 24 Jahren, zog ich nach Quebec, um dort die Qualitätssicherung unserer Abteilung für Krankenhausbetten und -matratzen zu leiten. Ins Marketing wechselte ich erst nach meiner Rückkehr nach Michigan. Ein Mitglied des Vorstands hatte mich bei einer Präsentation erlebt und gesagt: „Wenn Sie irgendwann einen Job im Marketing suchen, melden Sie sich“. Genau das habe ich gemacht - es gab nicht mal ein Vorstellungsgespräch. Das war eigentlich verrückt, aber ich habe mich darauf verlassen, dass er so überzeugt von mir war und mir eine Chance geben würde.

Vor fünf Jahren bekam ich die Gelegenheit, unser Geschäft in Europa, im Nahen Osten und in Afrika zu fördern. Von allen europäischen Ländern haben wir uns Deutschland als Wohnort ausgesucht, weil mein Mann deutsche Vorfahren hat. Wir haben hier unsere Familie gegründet und leben sehr gerne hier.

„Ich habe schnell gelernt, dass es sehr sinnvoll ist, erst zuzuhören und zu lernen und dann Anweisungen zu geben.“

Der Umzug aus den USA nach Quebec war kulturell eine große Umstellung. Alles ging sehr schnell, und von einem Tag auf den anderen sollte ich jede Woche eine 20-minütige Präsentation in Französisch halten, obwohl ich die Sprache überhaupt nicht beherrschte. Mit 24 Jahren war ich dafür zuständig, die Qualitätssysteme im gesamten Werk zu optimieren, weil eine Prüfung durch die Zulassungsbehörde anstand. Ich habe viel Zeit am Fließband im Gespräch mit Teamleitern verbracht, die bemerkten, wie sehr ich mich um den Aufbau guter Beziehungen bemühte. Zusammen haben wir Ideen entwickelt und überlegt, wie diese sich umsetzen ließen.

In meinem aktuellen Job reise ich durch ganz Europa und den Nahen Osten, mein eigentlicher Wohnort ist jedoch Deutschland. Nach Kanada bin ich quasi von einem Tag auf den anderen gezogen und musste viele kulturelle Eigenarten nebenbei kennenlernen. Nach Deutschland habe ich meinen Ehemann und meine Familie mitgebracht. Deshalb habe ich mich vorab gründlich informiert, welche Veränderungen das mit sich bringen würde. Die Kultur hier ist ganz anders als in den USA - von Freunden über soziale Kontakte bei der Arbeit bis hin zur Sprache und der Gesellschaft. Hier bin ich privat meist nur mit Menschen zusammen, die nichts mit meiner Arbeit zu tun haben, während in den USA all meine Freunde auch bei Stryker waren.

„In den 60 Minuten, in denen ich den Artikel las und analysierte, wurde mir klar, dass ich mich nach der akademischen Genauigkeit sehnte.“

Seit meinem Studienabschluss im Jahr 2006 wollte ich einen MBA machen, aber mir war wichtig, erst praktische Erfahrungen in der Wirtschaft zu sammeln. Wie im Flug sind dann seit meinem Erststudium 10 Jahre vergangen.

Schon bei unserem Umzug nach Deutschland hatte ich mich über Studiengänge informiert, dann wurde ich jedoch zum ersten Mal schwanger und stellte das wieder zurück. Es war für mich nicht so leicht, dass die Arbeit nicht mehr im Mittelpunkt stand, deshalb bat ich meine Familie um eine akademische Aufgabe, die mich forderte. Meine Schwester bat mich, einen Artikel zu lesen und mit ihr zu besprechen. Eigentlich fand ich diese Aufgabe absolut lächerlich, dabei war sie im Endeffekt der Auslöser, der mich dazu brachte, wieder zu studieren.  

Zwei Monate nach der Geburt meines ersten Kindes sah ich auf dem Weg zur Arbeit eine Anzeige für Kellogg. Ich hatte mir immer gewünscht, an der Northwestern zu studieren, sie gilt als eine der besten Marketing-Hochschulen. Nachdem ich diese Anzeige entdeckt hatte, informierte ich mich weiter und stellte erstaunt fest, dass Kellogg einen gemeinsamen Studiengang mit der WHU anbietet, der renommiertesten Wirtschaftsschule in Deutschland.  

„Die Kraft des Netzwerks von Kellogg und WHU wird sich in den nächsten Monaten und Jahren nach dem Abschluss vervielfachen.“

Im Studium hatte ich das Ziel, über Wirtschaft im wahren Leben zu diskutieren, mit Gleichgesinnten zu diskutieren, was sich bewährt hat und was nicht, und zu überlegen, wie man aus diesen Erfahrungen lernen kann. Mein Studium an der Kellogg-WHU war eine tolle Erfahrung und die Diversität meiner Mitstudierenden hatte daran einen großen Anteil.

Die gemeinsame Unterstützung und Beteiligung des globalen Netzwerks war die gesamte Zeit über phänomenal, sogar auf WhatsApp. Wenn ich schreibe: „Hey, daran arbeite ich gerade, hat jemand eine Idee?“, gibt es sofort unglaubliche Rückmeldungen. Ich hatte auch persönlichen Kontakt zu ein paar Leuten aus dem globalen Netzwerk, weil wir Gespräche über die Herausforderungen am Arbeitsplatz führten und dazu Ideen austauschen konnten.

„Mein Studium in der Elternzeit bringt mich auf Ideen, für die ich früher niemals Spielraum hatte.“

Aktuell bin ich in Elternzeit. Mein zweites Kind kam vor acht Wochen zur Welt, ganz pünktlich - eben ein echtes EMBA-Baby!

Natürlich ist das nicht so leicht - ich vermisse meine Kinder und je älter sie werden, desto mehr verstehen sie. Also sorge ich für strikte Trennung. Wenn ich hier bin, konzentriere ich mich auf das Studium und zu Hause widme ich mich dann ausschließlich den Kindern. Man findet eine Lösung, die für die Familie funktioniert. Meine Eltern kamen drei Monate aus Indien her, weil meine Familie das brauchte. Wenn Frauen sich gegen das Studium entscheiden, weil sie Kinder haben, ist das auch in Ordnung - man muss das tun, was sicherstellt, dass man zu 100 % für das Baby da ist und für mich ist das dieses Studium.

Ein Studium in der Elternzeit erfordert natürlich Disziplin - samstags und sonntags schließe ich mich immer für ein paar Stunden ein, um zu lesen, zu lernen und mich vorzubereiten. Auch wer Vollzeit arbeitet und keine Familie hat, braucht diese vier Stunden.

„Vor zehn Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, verheiratet zu sein, Kindern zu haben und ein EMBA-Programm zu absolvieren.“

Es wäre so förderlich, wenn mehr Frauen in EMBA-Programm wären. In der Projektarbeit und bei Präsentationen spürt man einen deutlichen Unterschied. Die Männer im Programm sehen das genauso. Wenn mehr Frauen dabei sind, sind sie stärker gefordert und müssen beispielsweise ihre Sicht auf die Führungsrolle hinterfragen. Ob es uns klar ist oder nicht, Frauen verhalten sich in Führungspositionen anders.

„Nehmen Sie Ihre Karriere selbst in die Hand, denn das nimmt Ihnen niemand ab.“